ätherische öle zur zeckenabwehr


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn Deutschland sind circa zwanzig Zeckenarten bekannt, einige davon sind selten und sogar lediglich vorübergehend „zu Besuch“. In dieser Vielfalt könnte ein Grund liegen, dass hausgemachte Anti-Zeckenmittel mal sehr gut schützen und dann wieder gar nicht.

Zecken benutzen circa 100 Chemorezeptoren an ihren Beinen zum Erriechen von Duftmolekülen, so dass sie wissen: Hier ist ein leckerer Wirt zum Anstechen gefunden. Buttersäure als Bestandteil unseres Schweißes, auch Ammoniak, Kohlendioxid und Milchsäure finden die winzigen Tierchen besonders appetitlich. Diese Gerüche verströmen wir besonders intensiv, wenn wir eine Tendenz zur Übersäuerung haben, also eher ungesund leben. Laurinsäure in nativem Kokosfett dagegen scheinen sie abscheulich zu finden, darum ist es eines der verträglichsten und hautpflegendsten Abwehrmittel, es kann pur oder mit maximal 3 Prozent ätherischen Ölen angereichert werden.

Etwa ein Viertel der Zecken in Deutschland tragen Borrelien (schraubenförmige, gramnegative Bakterien aus der Gruppe der Spirochäten) in sich, jedoch nicht alle Erreger lösen die gefürchtete Borreliose aus.

Am häufigsten befällt die Schildzecke Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) den Menschen. Wenn dieser Winzling ein Opfer gerochen hat, spaziert er bisweilen noch einige Stunden auf ihm herum – bis ihm eine Stelle passt, die so richtig fein für seine vampirische Tätigkeit gut geeignet ist, oft handelt es sich um dünnhäutige und weiche Körperstellen. Dann gräbt der Holzbock mit seinem verlängerten, hakenbewehrten Kopfteil regelrecht – er beißt nicht und er sticht auch nicht. Er gibt gerinnungshemmend und narkotisch wirksamen Speichel in die entstehende Gewebegrube ab, so dass Mensch und Tier die Attacke oft gar nicht erst bemerken. Die beschädigten Blutgefäße sondern Blut ab, das dem unappetitlichen Tierchen als Mahlzeit dient.

Recht häufige Schildzeckenarten sind auch die Igelzecke (Ixodes hexagonus) und die Schafzecke (Dermacentor marginatus). Im Süden Deutschlands kann uns auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) lästig werden. Andere Zecken-Arten leben vorwiegend an Vögeln und interessieren sich nicht besonders für den Menschen.

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ist weltweit die am häufigsten anzutreffende Art, die beim Menschen „anbeißt“, ihr ist es in Deutschland jedoch nicht warm genug, so dass sie nicht dauerhaft aktiv ist. Viele Zeckenarten vertragen Frost bis zu minus 20 Grad; ab fünf bis sechs Grad plus werden sie gerne aktiv. Früher belästigten uns diese Viecher nicht im Winter, da sie dann Ruhe hielten, nun sind sie leider ganzjährig eine Gefahr – bedingt durch die Erderwärmung.

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist in Europa auch eine verbreitete Krankheitsüberträgerin. Darum untersuchten Forscher der Coventry University in Großbritannien mit Wissenschaftlern aus Slowakien elf ätherische Öle zur Verschreckung dieser Milbentierchen, sie wurden auf ein und drei Prozent runter verdünnt.

  • Basilikum (Ocimum basilicum)
  • Bergamotte (Citrus bergamia)
  • Gewürznelke (Syzygium aromaticum)
  • Citronella (Cymbopogon winterianus)
  • Quendel (Kriechender Thymian) (Thymus serpyllum)
  • Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Zitroneneukalptus (Eucalyptus/Corymbia citriodora)
  • Majoran (Origanum majorana)
  • Pfefferminze (Mentha piperita)
  • Spearmint (Mentha spicata)
  • Thymian (phenolische Chemotypen von Thymus vulgaris)

Gewürznelkenöl, Quendelöl und das phenolische Öl des Thymians waren die effektivsten Mittel: 83, 82 und 68% der Zecken wurden abgehalten. Die Mischung aus Quendel und Citronella (je 1,5%) zeigte eine stärkere Abwehrwirkung (91%) als einzelne ätherische Öle bei einer Verdünnung von 3% [Štefanidesová K, Škultéty Ľ, Sparagano OAE, Špitalská E. The repellent efficacy of eleven essential oils against adult Dermacentor reticulatus ticks. Ticks Tick Borne Dis. 2017 Jun 15].

Mehr Informationen, Tipps und Rezepte gibt es hier bei Vivere. In den Seiten der Aromatherapie-Facharbeit ‚Anwendung ätherischer Öle bei Schmerzpatienten mit Spät-Borreliose – drei Fallbeispiele‘ (Oktober 2013) meiner Kollegin Anja Maurer kann hier bei Aromacampus geblättert werden. Übrigens: NIEMALS eine in der Haut fest steckende Zecke mit Pflanzenöl, Butter oder gar Pfefferminzeöl beträufeln. Sie wird sich wehren und im Todeskampf ihren möglicherweise infizierten Speichel verstärkt abgeben. Also Finger weg von solchen Ammenmärchen!

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katzenminze-molekül bei nierentumoren


Katzenminze
Gestern am Weltkatzentag wurde bei unserem Kater Leukämie diagnostiziert. Da er nur noch Fell und Knochen war, entschieden wir, ihm weiteres Dahinsiechen zu ersparen. Ein erster Tierarzt hatte ihm ein Antibiotikum verschrieben, kein Wunder, dass es dem Tierchen nicht besser ging. Vom 50-Gramm-Findling vor sechs Jahren bis gestern hatten wir viel Freude an dem immer zarten Tierchen.

Das erinnert mich an die wuchernde Katzenminze im Garten. Aus ihr kann ein bislang eher unbekanntes ätherisches Öl destilliert werden. Es kann je nach Chemotyp fast zitronig duften oder etwas dumpf-muffig. Der Name Nepeta cataria weist bereits darauf hin, dass es sich nicht um eine Minze handelt, sie sind jedoch miteinander verwandt. Die hohe Staude sieht man auch oft zur Bodenbegrünung (obwohl die eher graue Blättchen hat) von öffentlichen Grünflächen. Gartenbesitzer schätzen ihre attraktiven blau-lila Lippenblütchen, die aus der Ferne an Lavendel erinnern. Allerdings finden sie das Gewächs oft plattgedrückt und ramponiert und wer aufmerksam ist, weiß dass die eigene oder Nachbars Katze sich immer wieder darin wälzen. Das ätherische Öl wirkt regelrecht halluzinogen auf die schnurrrenden Vierbeiner (nicht jedoch auf Zweibeiner). Dr. Wabner hat mir amüsiert erzählt, wie er mit der Erlaubnis eines Tierpflegers ein Taschentuch mit etwas von diesem Öl in einen Löwenkäfig werfen durfte und die Raubkatze in Wonnen durchgedreht ist!

Eliane ZimmermannAn der Technischen Universität Dortmund wurde vom Team von Prof. Dr. Mathias Christmann entdeckt, dass ein Stoff im ätherischen Öl der Katzenminze namens Nepetalacton einem in der afrikanischen Pflanze Phyllanthus engleri entdeckten Stoff (Englerin A) sehr ähnlich ist. Es ist als hochwirksames Molekül identifiziert worden, welches etliche Zelllinien von Nierentumoren angreifen kann, ohne gesunden Zellen zu schaden. Dieses Jahr wurde veröffentlicht, dass man entschlüsseln konnte, wie dieser Mechanismus funktioniert. Ob man diese Erkenntnisse aus dem Labor in brauchbare Medikamente umsetzen kann, wird sich erst zeigen. Zu einer neuen Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft geht es hier.

Ein zweites wichtiges Einsatzgebiet dieses krautig-herb-minimal-minzig und etwas muffig riechenden Öles sind Antimückenmischungen, es hat laut Prof. Wabner eine hervorragende Abwehr-Wirkung. Wegen der enthaltenen Lactone, die sehr empfindliche Haut reizen können,  und weil es selten und teuer ist (ich hatte es früher von Primavera, ich weiß nicht, wo man es heutzutage erhält), sollte man es nur mit geringem Anteil in seine sommerlichen Mosquito-Mischungen geben.