schlafen auf der intensivstation


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNach dem vorherigen Artikel über verbesserten Schlaf für Pflegende, die im Schichtdienst arbeiten, bekam ich die Info über eine erst kürzlich veröffentlichte Studie, in der man sich mit dem Schlaf von PatientInnen auf einer Intensivstation beschäftigte. Danke, liebe Heike; für diese ergänzende Arbeit.

Es überrascht sicher niemanden, dass Menschen, die ein gesundheitliches Trauma durchmachen, möglicherweise mit dem Tod ringen müssen, von Ängsten geplagt sind und schwere Schmerzen durchleiden, nicht an erholsamen Schlaf denken können. Dazu die Medikamente, die Schläuche, die Elektroden, die piependen und blinkende Apparate, das Kommen und Gehen der Betreuer.

So wurde in diesem türkischen Experiment geschaut, wie 60 HerzpatientInnen auf Lavendelöl reagieren. Die Schlafqualität wurde nach zwei standardisierten und anerkannten Skalen bewertet [Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Beck Anxiety Inventory (BAI) scale]. 15 Tage lang bekam die Hälfte der vorher informierten TeilnehmerInnen 2%ig verdünntes Lavendelöl zum Einatmen. Die Kontrollgruppe bekam kein Lavendelöl zu riechen. Nach diesen zwei Wochen wurde in beiden Gruppen die Schlafqualität wieder bewertet.

Die Lavendelgruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse (p < 0·05), was die Qualität des Schlafes und auch was die Stärke der Angstsymptome anbelangte. Die Autoren schließen daraus, das diese nicht-invasive und kostengünstige Maßnahme für die Intensivpflege-Betreuung von HerzpatientInnen sinnvoll ist, denn sie kann von den Pflegenden selbstständig vorgenommen werden und ist einfach anwendbar.
[Karadag E, Samancioglu S, Ozden D, Bakir E. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care. 2017 Mar;22(2):105-112]

glas_aluminium_inhalierstift_blau_xsWenn jemand diese hilfreiche Anwendung ausprobieren möchte, bitte darauf achten, dass Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) eingesetzt wird, denn billigerer Lavandin kann relativ viel Campher (Kampfer oder Bornan-2-on) enthalten, dieser aktiviert und macht wach. Nur das ätherische Öl aus der Lavandin-Züchtung Lavandula × intermedia Super kommt dem Echten Lavendel in der beruhigend wirksamen Zusammensetzung recht nahe. Idealerweise gibt man 1-2 Tropfen des Lavendelöles auf einen Tupfer, der in der Nähe der Nase des Patienten gelegt wird, oder – zunächst teurer jedoch langfristig preisgünstiger, weil wochenlang benutzbar – auf einen Inhalier-Stick, wie sie inzwischen von mehreren Anbietern erhältlich sind, auch schöner und hygienischer aus Glas (in der Schweiz bei Florentia und für Österreich und Deutschland bei Sabine Nachbauer). Der beruhigend und angstlindernd wirksame Inhaltsstoff Linalylacetat ist auch reichlich in folgenden ätherischen Ölen enthalten:

  • Mentha x citrata, Bergamottminze: 34–63 % Linalylacetat
  • Citrus x bergamia, Bergamotte: 35% Linalylacetat
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei: 75% Linalylacetat
  • Lavandula × intermedia Super: +/- 35% Linalylacetat
  • Citrus x aurantium flos, Neroli: 3-16 % Linalylacetat
  • Citrus x aurantium fol, Petit Grain: 50-70 % Linalylacetat
  • Bursera delpechiana, Linaloe-Früchte: 22% Linalylacetat (und fast die doppelte Menge im sehr seltenen Öl aus den Samen und Samenhülsen)

Abbildung Inhalierstifte: Sabine Nachbauer

lavendel-kapseln bei adhs


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieHilft Lavendelöl, wenn innerlich eingenommen, bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätstörung (ADHS)? Dieser Frage ging der Arzt und Psychologe Helmut Niederhofer vom Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie nach. Er verabreichte einem 13-jährigen Jungen, der seit sieben Jahren von diesem „Zappelphilipp-Syndrom“ geplagt wurde, Lavendelöl. Dreimal täglich schluckte der Teenager also jeweils eine der in jeder Apotheke erhältlichen Lasea-Kapseln [erhältlich auch bei Doc Morris (klick!) oder bei Amazon (klick!)]. Die relativ hohe Dosierung erfolgte aufgrund der Stärke der Symptome und weil das Produkt in niedrigen Dosierungen keinerlei Nebenwirkungen aufweist. Zuvor war er mit Methylphenidat (Ritalin) behandelt worden, dieses sollte abgesetzt werden, doch die Zappel-Symptome traten wieder auf.

Der Junge wurde vier Wochen ohne Medikation beobachtet, dann nahm er vier Wochen lang pro Tag 240mg des speziell aufbereiteten Lavendelöles in Kapseln ein, anschließend nahm er vier Wochen lang ein Placebo ein. Seine Anzeichen von Unaufmerksamkeit reduzierten sich in der Lavendelphase von 19 auf 11 Punkte auf der verwendeten Skala [Rating Scales nach Du Paul], die Verwendung des Placebo ergab 16 Punkte, die Anzahl der Punkte bei der Hyperaktivität verringerte sich von 20 auf 12 (Placebo 16).

Der behandelnde Arzt sagt abschließend, dass es sich vermutlich um die erste placebokontrollierte Einzelfallbeobachtung von Lavendelöl bei ADHS handelt. Die deutlich geringere Reduktion der Symptome als bei der Gabe von Psychostimulanzien spreche für weitere systematischen Studien in diesem Bereich, auch wenn bei Nicht-Psychostimulanzien wie Desipramin (trizyklisches Antidepressivum) die Erfolge ähnlich gut aussehen. Helmut Niederhofer. Lavendel könnte einige Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung verbessern. Z Phytother 2014; 35(05): 230-231 Andere Artikel über Lasea  sind hier (Posttraumatische Störungen) und hier (Angststörungen) nachzulesen. Einige Überlegungen zur Ähnlichkeit zwischen dem Ritalin-Molekül und dem Zitrusöle-Inhaltsstoff Methylanthranilat sind hier nachzulesen.