selbstschutz und naturschutz durch erlernen der INCI-sprache


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Um mir bewusst zu machen, was an meine Haut kommen darf, habe ich mal die Produkte meiner (fast) täglichen Morgen- und Abendroutine zusammen gestellt. Darunter sind einige Immer-Produkte, die ich also seit Jahren und Jahrzehnten immer kaufe (wie das Deo von Farfalla und Wimperntusche von Dr. Hauschka und der Nagellack von Santé) und auch Produkte, die öfters wechseln, wie Duschgels und Bodylotions. Etliche Produkte wie Mundwasser, duftende Körperöle und Vielzweck-Schüttellotion stelle ich regelmäßig frisch her. Gekaufte und selbst destillierte Hydrolate in allen Varianten setze ich je nach Bedürfnis und drohendem Verfallsdatum ein.

Ich lebe in einer schönen natürlichen Umgebung, dort am westlichsten Zipfel Europas, wo die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist. Wo Toleranz und Freundlichkeit den Alltag (fast immer) bestimmen. Hier biete ich meine Duftwochen an, hier kann ich unzählige subtropische Duftpflanzen in ihrem inzwischen heimatlichen Habitat zeigen. So dass meine Kursteilnehmer/innen sowohl den Duft aus den zu den Exkursionen mitgenommen Fläschchen kennen lernen können als auch das Aussehen, die Größe, das „Verhalten“, die Farbgebung der jeweiligen Duftpflanze WAHR-nehmen und be-GREIF-en können (Termine und Infos für 2018 hier – klick!).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Da ich viele unterschiedliche fette Öle und noch mehr ätherische Öle allerhöchster Qualität zur Verfügung habe, wäre mein Ziel, nur noch eine gute, rückfettende Seife, selbst gemachtes Zahnpulver aus Kreide, und grüner Tonerde und etwas Bio-Makeup-Puder zu verwenden. Dazu freilich Hydrolate für allerlei Einsatzzwecke. Doch davon bin ich noch weit entfernt.

Zu meiner kleinen „heilen Welt“ gehört auch meine persönliche Körperpflege, die zu 99 Prozent aus bio-zertifizierter Naturkosmetik von unterschiedlichen Anbietern stammt. Oder die selbst hergestellt ist. Ich würde gerne etwas minimalistischer mit meiner Haut umgehen, doch als Duft- und Kosmetikfan fällt es mir schwer. Wie froh bin ich, dass es im deutschsprachigen Bereich so wundervolle Kosmetik gibt, die sehr genau auf ehrliche Verträglichkeit untersucht ist und auf die man sich verlassen kann. Vor allem, weil ich die Menschen und die Herstellung hinter den meisten abgebildeten Produkten persönlich kennen lernen durfte.

Durch meine Tätigkeit als „Gästehaus-Mutter“ sehe ich allerdings, was die großen Kosmetik-Konzerne den heutigen unwissenden Menschen so andrehen. Ich bin regelmäßig entsetzt, wenn ich „Proben“ erhalte, die beispielsweise nicht mehr in den mit tollen irischen Einkäufen überfüllten Koffer unserer Gäste passen. Da stinkt und reizt es nur so vor sich hin.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das sind so Grausamkeiten, die ich im Laufe des letzten Jahres von wohlmeinenden Gästen „geerbt“ habe. Sie sind ausnahmslos mit hautreizenden Tensiden, krebsverdächtigen Paraffinen und Parabenen, Aluminiumverbindungen und anderen wortwörtlich haarsträubenden Inhaltsstoffen hergestellt. Vom Mikroplastik, das unsere Welt in rasender Geschwindigkeit komplett durchseucht, ganz zu schweigen.

In meiner Naivität halte ich es für entsetzlich, dass Konsumenten so belogen und betrogen werden. Da wird ein Shampoo namens „Wahre Schätze“ angeboten, mit einer hübschen Zitronenabbildung und einem „Stempel“, der auf natürliche Extrakte hinweisen soll. Bei Blick auf die INCI-Deklaration steigt in mir die Wut hoch und ich fühle mich verars…t (besonders im Namen der Person, die auf die frech-unwahren Marketingsprüchlein rein gefallen ist). Erstens wird das grüne Mäntelchen präsentiert, welches besagt, dass neben den tollen Inhaltsstoffen Tonerde und Zitrone Nachhaltigkeit groß geschrieben wird. Weil die Plastikverpackung recyclebar sei und weil sie in einer Fabrik hergestellt werde, die sich für die Entwicklung nachhaltiger Produkte einsetzte. Na und??? Was besagt diese sinnentleerte Satz? Nix.

Aber es kommt noch viel, viel gravierender. Und deprimierender. Ich meine, wenn die Kosmetikverbraucher/innen nicht endlich aufwachen, wird unsere schöne Erde innerhalb von nunmehr sehr wenigen Jahren so sehr von Mikroplastik verseucht sein, dass nicht nur unsere Kinder durch den Müll der aktuellen Verbraucher-Generationen zu 100 Prozent krank werden. Wie können wir uns so von den geldgierigen Kosmetikkonzernen zur lebensgefährlichen Verdreckung der Abwässer, der Flüsse, des Meeres und damit wieder unseres Trinkwassers und der Nahrung verleiten lassen?! Selbst wenn wir keinen Fisch und keine Krustentiere essen, deren Abfälle werden wiederum in den unterschiedlichsten Lebensmitteln verarbeitet, genau so still und heimlich wie im Kosmetikbereich.

Wahre-Schätze_vorne_Inci

WARUM? Warum muss in einem Shampoo Mikroplastik stecken? Warum hautreizende (billige) Tenside? Die versprochene Zitrone befindet sich nur als „Hauch“ am Ende der Zutatenliste. Einmal als Extrakt (eventuell sogar als ätherisches Öl) und einmal als Säureregulator in Form von Zitronensäure (vermutlich künstlich hergestellt, eventuell mit Hilfe von Schimmelorganismen). „Ohne Silikone“ soll sehr geschickt davon ablenken, dass noch etwas viel Schlimmeres enthalten ist: Acrylates Copolymer. „Wahres ist wertvoll“, ein wirklicher Hohn der Käufer von so einem aus billigsten Rohstoffen produzierten Umweltmülls.

Nun wird also nicht nur Plastik in Scrubs für Körper und Gesicht eingesetzt, nein, ein Shampoo wird mit „Nebelmitteln“, also Trübstoffen aus Mikroplastik, verseucht. Dieses Zellgift verbirgt sich hinter dem Wortungetüm Acrylates Coploymer, das JEDE(R) auf den INCI-Deklarationen auswendig lernen müsste. Dieses fast nicht sichtbare Gespenst wird gemäß den technischen Angaben verschiedener Hersteller in Form fester Partikel in einer Partikelgröße ab 170 Nanometer und größer hergestellt. Beim Recherchieren über dieses Gift, das jede unserer Zellen durchdringen wird, weil es inzwischen fast in jedem Trinkwasser steckt, konnte ich nur entsetzt und ungläubig den Kopf schütteln: Mikroplastik wird bislang nicht von der deutschen Regierung und auch nicht von der sonst so strengen Europäischen Kosmetikverordnung reglementiert. Dabei gehört es ab sofort verboten, je schneller, desto besser! Im Bundesumweltamt schreibt man nur ganz lau: „Aus Sicht des Umweltbundesamtes sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher daher bevorzugt zu Produkten greifen, die solche Stoffe nicht enthalten.“ Aber wie lange will man denn noch warten?! Mikroplastik ist ein Thema das uns ALLE angeht, und das nicht nur die Haut, in der wir stecken, angeht, sondern es betrifft bereits JETZT fast jeden Menschen. Die wichtigsten Mikroplastikmoleküle, die unsere Kosmetik und unsere Gewässer belasten, sollten wie Vokabeln einer Fremdsprache auswendig gelernt werden, fast alle enthalten (mindestens) zweimal den Buchstaben Y:

  • Polyethylen
  • Polypropylen
  • Polyethylenterephthalat
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Polyurethan
  • Acrylates Copolymer
  • Acrylates Crosspolymer
  • Polyacrylat
  • Polymethylmethacrylat
  • Polystyren

Diese Übersicht mit den Namen dieser Plastik-Zeitbomben und mit Produkten, die damit verseucht sind, hat der B.U.N.D. zusammengestellt, sie kann hier (klick!) kostenlos runter geladen werden, ein Artikel dazu ist hier (klick!) nachzulesen. Allerdings ist dieser Einkaufsratgeber von 2015 und der Absatz „Teilerfolg gegen Mikroplastik: Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. hat erklärt, dass er seinen Mitgliedern empfehlen werde, Mikroplastik aus Kosmetika zu entfernen. Außerdem haben sich viele Hersteller beim BUND direkt gemeldet und den Ausstieg aus Mikroplastik angekündigt.“ klingt für mich nicht wirklich erfolgversprechend.

Haarwasser_InciGemeinsam sind fast allen Massen-Kosmetika die Starkschäumer-Teufelchen Natriumlaurethsulfat und das (früher?) überall eingesetzte Natriumlaurylsulfat. Das sind anionische Tenside, ersteres löst sehr stark Fett und Öl auf (Shampoo, Duschgel), zweiteres hat eine stark denaturierende Wirkung auf Proteine (was hat es bloß in den vielen Zahnpasten angerichtet!?). Ich habe ersteres in einem „haarwuchsfördernden“ Shampoo gefunden. Wozu? Um den Haarausfall noch zu verstärken, indem das schützende Kopffett aufgelöst wird? Dass Proteine in unserer Haut geschädigt und angegriffen werden und Allergien durch das Zeug „gezüchtet“ werden könnten, scheint auch billigend in Kauf genommen zu werden, Hauptsache billig. Durch das besagte Shampoo wird die sehr aufnahmefähige Kopfhaut auch noch das potenziell krebsauslösende Methylparaben und das umstrittene Konservierungsmittel Phenoxyethanol in den Körper schleusen. 200 ml Shampoo mit einem Hauch Koffein, etwas Schaumbildner und bedenklichen Chemikalien angereichert für gut 6 Euro, bravo! Ein Geschäft mit der Hoffnung…

Body_Cream_InciWarum nicht gleich, wenn man die trockene Haut wirklich nähren und pflegen möchte, zu einem ehrlich wohltuenden Produkt mit Bio-Pflanzenölen samt deren wertvollen Fettbegleitstoffen greifen? Die meisten Hautpflegecremes bewirken das Gegenteil. Durch einen zu hohen Anteil an billigem Glyzerin trocknen sie eher aus, Silikon (Dimethicone) spachtelt allenfalls die Oberfläche zu, Phenoxyethanol und die enthaltenen Parabene würde ich nicht gerne auf meiner Haut haben, obwohl diese eher unempfindlich ist.

Gesichtspflege_INCIGesichtspflege in zartrosa-feiner Anmutung vom Kosmetikgiganten mit der blauen Dose, angereichert mit dem Antischuppen-Wirkstoff Piroctone Olamine? Huch, da fallen einem doch glatt die Schuppen von den Augen! Wird der Schuppenshampoo-Stoff nun als gut fungizid wirksames Konservierungsmittel eingesetzt? Dazu wieder ein Kunststoff! Warum bitteschön ist darin Sodium Polyacrylate (Natrium Polyacrylate) enthalten, ein Superabsorber, der 200 bis 300 Mal mehr Wasser binden kann als seine eigene Masse? Diese Chemikalie kenne ich aus Babywindeln und Inkontinenzmaterial! Darin ist sie sicher sehr zweckmäßig, sie landen dann wohl in Müllsäcken und Verbrennungsanlagen Auch als Fußbodenpolitur ist dieses kristalline Material beliebt, da „schmutzabweisend“. Doch als Inhaltsstoff in einer Gesichtspflege für die Dusche ist die Endbestimmung leider wieder unser kostbares Trinkwasser.

Das waren nur ein paar kleine Beispiele aus der Badezimmer-Wirklichkeit. Über andere Giftstoffe informiert die Verbraucherzentrale.

Wenn man/frau also täglich eine vergleichbare Menge an Kosmetik wie ich verwendet, und in jedem dieser Produkte befinden sich diese und noch viel mehr bedrohliche Inhaltsstoffe, geht man ein unkalkulierbares Risiko ein. Eine Zeitbombe kann entstehen, denn kein Mensch weiß bislang, was diese ganzen Kunststoffe IN und mit unserem Körper anrichten, sofern sie resorbiert werden, was nicht unwahrscheinlich ist. Freilich muss jedes der Produkte auf seine Verträglichkeit untersucht sein, jedes für sich mag sogar ein sehr geringes Risiko bergen, doch kein Mensch hat je untersucht, was dieser brisante Molekülecocktail vieler Produkte die tagtäglich benutzt werden, mit uns macht (dazu kommen noch die noch bedenklicheren Stoffe aus Reinigungsmitteln, aus Computern & Druckern, aus Wohnungs- und Baustoffen, sowie die Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln).

Es gibt inzwischen tolle Apps, die man im Geschäft vor dem geplanten Einkauf konsultieren kann, so dass man potenziell gefährdende Chemikalien einfach im Ladenregal stehen lässt. Man muss also gar nicht die Vokabeln dieser wichtigen neuen internationalen Sprache der INCI-Welt auswendig lernen.

Codecheck (klick!) [auch prima, um unehrliche Lebensmittel auszufiltern)

Toxfox (klick!) [nur Kosmetik, vom B.U.N.D.)

Bio-Kosmetika (klick!) [meine frühere Schülerin Ingrid Schreier ist eine erfahrene Naturkosmetik-Fachfrau mit Geschäft in Wien

Oder man kauft einfach nur noch Kosmetik mit einem der zuverlässigen unabhängigen Bio-Siegel, beispielsweise mit dem NaTrue-Siegel oder der Schweizer Bio-Knospe [einen Beitrag mit Abbildungen dieser Siegel habe ich hier (klick!) zusammen gestellt]. Das ist die (unvollständige) Liste der Anbieter, der Gründer und/oder Geschäftsführer/innen ich persönlich kenne und schätze, viele von deren Kosmetik-Produkten verwende ich seit bald dreißig Jahren (die folgenden Websites sind alle verlinkt, bei Interesse anklicken):

Wer sich gerne in einem echten Buch lesend informieren möchte, kann dies bei Giftcocktail Körperpflege: Der schleichende Tod aus dem Badezimmer von Marion Schimmelpfennig und Rüdiger Dahlke oder mit Naturkosmetik: Was ist drin? Wie erkenne ich Qualität? Wie finde ich das Produkt, das zu mir passt? von Elfriede Dambacher. [Werbung] {damit die Profi-Abmahner happy sind} Wer Englisch lesen kann, sollte sich die hervorragenden, jedoch bedrückenden Artikel auf der renommierten britischen Tageszeitung The Guardian (klick!) antun, heute erschien wieder einer: 83 Prozent aller untersuchten Wasserproben sind bereits mit Mikroplastik kontaminiert. Unsere Plastikkeidung trägt übrigens tüchtig zu dieser Bedrohung bei, denn bei jedem Waschgang gelangen die fast unverrottbaren Mikrofasern in mittlerweile unvorstellbaren Mengen ins Wassersystem.

Wer auf Facebook ist, kann meiner Gruppe „Essbare Kosmetik“ beitreten. Denn Selbermachen ist am besten, da weiß man, was drin ist! Und kann von den schönen Verwöhnprodukten auch guten Gewissens naschen!

Ach wäre es schön, wenn durch Aufklärung und Verbraucher-Boykotts weniger umweltschädigende und gesundheitsgefährdende Chemikalien verkauft werden würden! Um unsere Welt auch noch in 10 und 20 und 50 Jahren lebenswert zu machen. Momentan sieht es leider nicht einer Umkehr zu reinem Wasser und den entsprechenden Folgen aus. Der Verseuchungsgrad ist bereits enorm und die Regierungsmitglieder haben andere „Sorgen“, als unser aller Heimat giftfrei zu halten.

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